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911 T: Erst „öffentlich“ restauriert, dann verlost

Der Porsche Club of America verlost erstmals einen voll restaurierten Klassiker – den Porsche 911 T (Bj. 1973)

Eine spektakuläre Aktion für alle Liebhaber von klassischen Porsche-Fahrzeugen: Unter dem Motto „Revive the Passion“ restauriert Porsche Classic im Auftrag des Porsche Club of America (PCA) ein 911 T Coupé, US-Version, von 1973.

Das fertige Schmuckstück wird unter den PCA-Mitgliedern im Rahmen einer Tombola verlost und soll bei der Porsche Parade im August 2011 in den USA dem Sieger übergeben und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ausnahmsweise können Porsche-Enthusiasten mit dem besonderen Faible für Old- und Youngtimer den Spezialisten aus der Porsche Classic Werkstatt bei der Arbeit über die Schulter schauen. Im Verlauf der nächsten zwölf Monate wird auf dieser Seite in regelmäßigen Abständen über den Stand der Restaurierung berichtet – in Wort, Bild und mit Filmbeiträgen.

Beim diesjährigen Porsche-Spektakel „Rennsport Reunion“ in Daytona entstand bei einem Gespräch zwischen den Vertretern des PCA, der Porsche Clubbetreuung und Porsche Classic die Idee für das außergewöhnliche Projekt. Traditionell verlost der Porsche Club of America, mit rund 104.000 Mitgliedern der weltweit größte Porsche Club, zwei Mal jährlich Porsche Fahrzeuge unter seinen Mitgliedern. Es handelt sich dabei stets um Neufahrzeuge. Diesmal jedoch wird es ein Porsche Klassiker sein. Dieser wird vorher in der alten Heimat Zuffenhausen, dort, wo er einst für die USA produziert worden ist, von den unternehmenseigenen Experten in seinen Originalzustand zurückversetzt.

Das geeignete Fahrzeug wurde in enger Abstimmung zwischen dem PCA, der Porsche Clubbetreuung und den Spezialisten von Porsche Classic gesucht und gefunden. Die Club-Mitglieder konnten das Fahrzeug bei der diesjährigen Porsche-Parade im Juli in St. Charles erstmals in seinem Ist-Zustand in Augenschein nehmen. Der 911 T verfügt über einen luftgekühlten 6-Zylinder-Boxermotor mit 2,4 Liter Hubraum. Er leistet 140 PS bei 5.600/min. Dieser Elfer, das sogenannte F-Modell, ist aufgrund seiner schmalen Karosserie bei Sammlern besonders beliebt. Das betreffende Fahrzeug wurde zudem ursprünglich in der klassischen Farbkombination silber (außen) und schwarz (innen) ausgeliefert. Da es sich um ein F-Modell des letzten Baujahres handelt, gilt seine Wertentwicklung als besonders hoch.

Für Porsche Classic ist das Fahrzeug aber noch aus einem ganz anderen Grund interessant. Zwar liegt seine Vergangenheit weitestgehend im Dunkeln, aber die Zeit hat schon auf den ersten Blick deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Außerdem sind im Lauf der Jahre etliche Teile angebaut worden, die vieles sein mögen – aber auf keinen Fall original. Jochen Bader, Leiter der Classic Werkstatt: „Wir freuen uns auf diese Herausforderung und sind stolz, einer breiten Öffentlichkeit demonstrieren zu können, wie wir arbeiten.“

Seit Jahren gilt die Porsche Classic Werkstatt in Freiberg am Neckar, nur rund 15 Kilometer vom Stammwerk Zuffenhausen entfernt, als Anlaufstelle für alle Kunden, die ihren Porsche-Klassiker in einem Top-Zustand wissen wollen. Das gilt für alle Modelle vom Porsche 356 bis zum letzten luftgekühlten Elfer, dem Modell 993. In der hochmodernen Werkstatt finden nur Porsche Originalteile Verwendung. Nicht mehr verfügbare Teile werden originalgetreu nachgebaut. Schließlich sichert Porsche Classic nicht nur die weltweite Teilversorgung, sondern kann auch aus einem großen Fundus an Originalzeichnungen von Teilen und Werkzeugen schöpfen. Rund 250 Porsche Old- und Youngtimer versorgt die Werkstatt-Mannschaft jährlich fachmännisch – vom Ölwechsel, über eine gewissenhafte Wartung bis hin zu aufwendigen, kompletten Restaurierungen. Sonderwünsche inbegriffen.

Wie bei jedem Wiederaufbau erhält auch der neue Besitzer des 911 T ein Buch mit der umfassenden Dokumentation über die Arbeiten an seinem Fahrzeug, eine exklusive Plakette und eine Foto-CD mit rund 1.000 Bildern – verpackt in einer hochwertigen Ledertasche. Vorher aber wird viel Schweiß fließen. Dem Elfer aus einer anderen Zeit stehen zuerst die Entlackung und die komplette Demontage bevor. Später genießt die fertige Rohkarosse das lebenserhaltende moderne KTL-Bad (Kathodische Tauchlackierung). Zu den Restaurierungs-Arbeiten gehören unter anderem auch der komplette Neuaufbau von Motor und Getriebe sowie der Innenausbau. Wo unliebsame Überraschungen und Probleme auftauchen, die jetzt noch nicht zu erkennen sind, und wie die Werkstatt-Experten sie lösen werden – das alles können Porsche-Fans durch die regelmäßige Berichterstattung auf dieser Seite miterleben.

Die Mitarbeiter in der Porsche Classic Werkstatt stehen bereit. Der 911 T hat seine Reise in den USA begonnen und wird in diesen Tagen in Freiberg am Neckar erwartet.

 
Nach Demontage und Richtbank: der 911 T, Baujahr ’73, ist bereit für das Entlackungsbad

2. Update “Ankunft und Demontage”


Die Richtbank lügt nicht. Ihr Urteil wiegt tonnenschwer. Das Porsche Originalwerkzeug, ein massives Stahlgerüst, das in den 60er Jahren zur Vermessung der Karosserie des 911 (Modell F) entwickelt wurde, zeigt noch heute jeden Millimeter an, der von der ursprünglichen Form des Fahrzeugs abweicht. Und was die Spezialisten nach der ersten Inspizierung des Objekts vermutet hatten, wird jetzt eindeutig bestätigt: Der 911 T, Baujahr 1973, leidet vorne links an den Folgen eines Unfalls – vermutlich ein Souvenir aus längst vergangenen Motorsporttagen.

„Revive the Passion“ bringt so einiges ans Tageslicht. Denn die Aktion, vom Porsche Club of America (PCA), der Porsche Clubbetreuung und Porsche Classic gemeinsam ins Leben gerufen, läuft auf vollen Touren. In der Porsche Classic Werkstatt bei Stuttgart haben die Restaurierungsarbeiten an dem 911 T begonnen, der unter den PCA-Mitgliedern verlost und auf der Porsche Parade in den USA im August 2011 der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Das passende Fahrzeug fanden die Beteiligten via Internet in Los Angeles. Stillgelegt, ein bisschen vergessen, aber von der Grundsubstanz her in ordentlichem Zustand.

Die Reise des Elfers in die alte Heimat organisierte Porsche Classic mit seinen bewährten Transportpartnern. Im Truck ging es über St. Charles in Illinois, wo der Klassiker auf der diesjährigen Porsche Parade den PCA-Mitgliedern vorgestellt wurde, bis nach New York. Dort erfolgte die Verschiffung nach Rotterdam – standesgemäß im 20 Fuß großen Single-Container. Im geschlossenen Lkw erreichte das begehrte Sammlerstück schließlich Stuttgart. Hier wird es fachmännisch und kompromisslos in seinen Originalzustand versetzt. Genau genommen wird er besser sein als jemals zuvor.

Aber bis dahin ist es ein langer, harter Weg, den die erfahrenen Spezialisten mit Akribie, Routine und Original-Werkzeugen, wie sie eben nur Porsche besitzt, vorgeben. Um zur Rohkarosse vorzudringen, entfernten sie zuerst mit Flex und Pressluftsäge sämtliche Teile, die an einem original 911 T mit der schmalen Karosserie nichts zu suchen haben. Es handelte sich dabei um die Kotflügel vorn, die Seitenteile hinten, den Motordeckel mit seinem Spoiler Marke Eigenbau, den überdimensionalen Frontspoiler und auch um den Kofferdeckel, der von einem späteren Elfermodell stammt. Die amerikanischen Rennfelgen mit den viel zu großen Reifen fielen den strengen Porsche Spezialisten ebenfalls zum Opfer. Mit der Entfernung von Achsen, Fahrwerk, Motor/Getriebe, Kabelbaum und allem, was sich vom Interieur noch an seinem Platz befand, war der erste Teil der Demontage beendet. Der freie Blick auf die Rohkarosse sorgte für den ersten Lacher: In Los Angeles hatten sich im Unterschutz des Elfers ganz offensichtlich Vögel häuslich niedergelassen.

Der nur für Experten sichtbare Knick im Vorderwagen, sicherer Beweis für einen Unfall, sorgte auf der Richtbank für folgende Messwerte: vorne links zehn Millimeter zu hoch, am Dreieckslenker neun Millimeter (hinten) und zwölf Millimeter (vorne) verformt. Um die höchstmögliche Genauigkeit bei der Rückführung der Karosserie in ihre Originalform zu erreichen, verließ sich der Mechaniker nicht auf die Richtbank allein. Zum einen wurde für die Frontscheibe eine unnachgiebige und originale Rahmenlehre eingesetzt, die der Karosserie keinerlei Spiel erlaubt. Zum anderen wurde die Karosserie mit Hilfe einer Kette hydraulisch unter Spannung gesetzt. Der Rest erforderte Maßarbeit mit dem Fingerspitzengefühl eines erfahrenen Mitarbeiters. Einige der Mechaniker der Classic Werkstatt arbeiteten schon in den 70er Jahren in der Elfer-Produktion und kennen den Fahrzeugtyp in- und auswendig.

Erst anschließend ließ sich das marode Bodenblech heraus schneiden. Schließlich, so Jochen Bader, Leiter Werkstatt Classic, könne man eine Karosserie nur dann perfekt ziehen, wenn sie in sich noch stabil ist. Als letzte Vorbereitung auf das Entlackungsbad mussten sämtliche Hohlräume in der Karosserie geöffnet werden. Ein Arbeitsvorgang, der die Langlebigkeit des späteren Schmuckstücks nachhaltig unterstützt. Denn nur so gelangt die Entlackungslauge in jede Ritze. Und nur so kann das Neutralisationsbad, mit dem die Lauge wieder ausgespült wird, jeden Millimeter reinigen.

Jetzt sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Die Rohkarosse des 911 T hat allen Ballast verloren und geht baden. Die Spezialisten arbeiten weiter. Als nächstes kümmern sie sich um das Getriebe.

 
Das Getriebe greift: Der 911 T kommt wieder in die Gänge

3. Update “Das Getriebe”

Leistungswillige 140 PS können Metall ganz schön zu schaffen machen. Es beißt sich an dieser Kraft vielleicht nicht gleich die Zähne aus. Aber aus einst scharfen Zacken werden stumpfe kleine Erhebungen, die den Vorwärtsdrang schon mal schleifen lassen. Seit 37 Jahren rotiert nun das Getriebe, damit der Elfer in die Gänge kommt. Ein paar deutliche Abnutzungserscheinungen darf man ihm nicht übel nehmen. Vielmehr merzt man sie geduldig und akribisch aus.

Die Mitarbeiter in der Werkstatt von Porsche Classic sind längst tief im Inneren des Wagens angekommen. Noch bis Mitte nächsten Jahres haben sie Zeit, das Motto der Aktion „Revive the Passion“ zu erfüllen. Dann muss das Objekt der Begierde technisch einwandfrei in neuem Glanz erstrahlen. Der 911 T, Baujahr 1973, den der Porsche Club of America (PCA) in einer gemeinsamen Aktion mit Porsche Classic und der Porsche Clubbetreuung in Los Angeles gefunden und zur Restaurierung in seiner Heimatstadt Stuttgart auserkoren hat, soll dann seiner Bestimmung übergeben werden. Er wird unter den PCA-Mitgliedern verlost und im August 2011 auf der Porsche-Parade in den USA der Öffentlichkeit präsentiert.

Während die Rohkarosse des attraktiven Hauptgewinns noch im Entlackungsbad dem Ende ihrer Reinigung entgegen schwimmt, haben sich die Experten von Porsche Classic um das Getriebe gekümmert. Beim 911 T umschließt ein Magnesiumgehäuse das Fünf-Gang-Schaltgetriebe plus Rückwärtsgang. Seit den 1970er Jahren wechselte Porsche modellabhängig immer wieder zwischen Alu- und Magnesiumgehäuse. Beim 911 T handelt sich um ein leichtes, filigranes Gehäuse mit ausgeprägten Rippen, die der Kühlung und der Versteifung dienen. Ein schöner Anblick für Technikfans. Das Gehäuse putzen zu müssen, ist aber eher eine Aufgabe für ganz gewissenhafte Liebhaber. Es wird nämlich von Hand gereinigt. Um die Magnesium-Oberfläche nicht zu beschädigen, verwendeten die Mechaniker dafür keine  Stahl- sondern eine Messingbürste. Sie ist kaum größer als eine Zahnbürste, mit ihren Borsten kommt man besser in die vielen kleinen Ecken und Ritzen, die das Gehäuse aufgrund der Rippen aufweist. An diesen Stellen hatte sich beim 911 T im Lauf der Jahre einiges festgesetzt, was dort nicht hingehört: Korrosion, Straßendreck und Dreck von den Vögeln, die sich einst im Unterboden des Elfers eingenistet haben müssen.

Das Getriebe selbst wurde vom Kegel-Tellerrad bis zum letzten Synchronring komplett auseinander genommen. Die Mechaniker unterzogen die rund 100 Teile einer industriellen Reinigung, um sie vom Altöl zu befreien. Frisch gesäubert, ließ sich jedes Detail genau begutachten. Dabei handelt es sich um eine Untersuchung, die viel Erfahrung erfordert. Gerade bei Verschleißteilen im Getriebe ist der Übergang zwischen defekt, stark abgenutzt und noch brauchbar oft fließend. In aller Regel gehen die Mitarbeiter von Porsche Classic deshalb aus Liebe zum Fahrzeug und zum Wohle des Kunden auf Nummer sicher. Bei diesem 911 T war das sowieso angeraten. Erstens lässt sich die Laufleistung des Fahrzeugs beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen, zweitens herrscht Unklarheit darüber, wann der Elfer zum letzten Mal bewegt wurde. Und drittens – im Rahmen einer Restaurierung das wichtigste Argument – wird ein Getriebe ja nicht jeden Tag zerlegt. Es wäre unnötig aufwendig, wenn in ein, zwei Jahren mögliche Nachbesserungen vorgenommen werden müssten.

So machte das 911-T-Getriebe grundsätzlich zwar gar keinen schlechten Eindruck, dennoch sortierten die Mechaniker sämtliche Verschleißteile aus, die Kampfspuren aufwiesen. Das betraf den kompletten zweiten Gang mit Losrad, Synchronkörper und Schaltmuffe, Lager und Synchronringe. Hochwertige Maßarbeit war auch beim abschließenden Zusammenbau gefordert. Die Mechaniker vertrauten dabei neben ihrer Erfahrung vor allem auf die Original-Lehren, 40 Jahre alte Werkzeuge wie sie eben nur Porsche besitzt. Damit konnte das Kegel-Tellerrad genau justiert und das Getriebe eingepasst werden. Die Einstellung der Schaltung erfolgte nach den Angaben der ursprünglichen Konstruktionsmaße.

Der Elfer kommt sauber in die Gänge – wenn er im nächsten Jahr wieder auf die Straße kann. Aber auch dann sollte sich sein neuer Besitzer nicht wundern, wenn er anfangs etwas mehr Kraft zum Schalten benötigt. Das ist im Grunde ein gutes Zeichen. Denn die neuen, satten Synchronringe müssen sich erst ein bisschen einschleifen. Ein Relikt aus schönen, alten (Auto-)Zeiten.

Doch bis dahin dauert es noch. Das fertige Getriebe wird vorläufig zur Seite gelegt. In der Werkstatt von Porsche Classic bei Stuttgart stehen als nächstes weitere Arbeiten an der Karosserie auf dem Programm.


Perfekte Körper-Pflege: Die Rohkarosse des 911 T lässt das (Bau-)Jahr 1973 wieder aufleben

4. Update “Die Karosserie”


Stuttgart. Die Rohkarosse steckt fest, aber nicht in der Klemme. Als hätte Helmut Newton eines seiner genialen Fotos aufgezogen, thront das geschwungene Blech auf der Richtbank, millimetergenau in Stellung gebracht: stolz, nackt und eiskalt. Ein Kunstwerk, urteilt Jochen Bader, Leiter Werksrestaurierung, habe sich da vor ihm aufgebaut. Ein Elfer in seiner reinsten Form.

Die Rohkarosse kommt ihrer Geschichte auf den Grund. Zum ersten Mal seit Beginn der Arbeiten an dem 911 T aus dem Jahr 1973, der – voll restauriert – unter den Mitgliedern des Porsche Club of America (PCA) im nächsten Jahr verlost und bei der Porsche Parade im August 2011 der Öffentlichkeit präsentiert wird, fühlt man sich 37 Jahre zurückversetzt: So oder so ähnlich hat die Rohkarosse also damals wirklich ausgesehen.

Um ihren Auftrag „Revive the Passion“ – eine gemeinsame Aktion des PCA, der Porsche Clubbetreuung und von Porsche Classic – zu erfüllen, setzten sich die Mitarbeiter aus der Classic Werkstatt bisher mit den Herausforderungen der sich darbietenden Korosserie auseinander. Um den fast schon vergessenen 911 T aus Los Angeles wieder in seinen Originalzustand zurückversetzen zu können, entfernten die Mechaniker zuerst alle nicht originalen Teile (und das waren viele), demontierten das Fahrzeug komplett, bogen einen alten Unfallschaden wieder gerade, schnitten zerstörte Teile heraus und befreiten das Fahrzeug von Dreck und Korrosion, die zwei zuverlässigsten Begleiter eines Autos im Lauf von 37 Jahren. Aber nun, nach dem Entlackungsbad, kommt unverblümt das zum Vorschein, was dem Elfer einst Form und Halt gab: eben die Rohkarosse, Urzustand. Oder zumindest das, was noch davon übrig ist. Im Fall des 911 T ist das eine ganze Menge. Das Urteil der Fachmänner: Das Fahrzeug ist in einem guten Zustand.

Solche Momente sind wichtig im Zuge der Revitalisierung eines Klassikers und beeinflussen den weiteren Weg einer Vollrestaurierung in hohem Maße. Schließlich ist der Zustand der Karosserie stets die große Unbekannte bei der fachmännischen Aufrichtung eines Fahrzeugs – bis man unverblümt die Wahrheit sieht. Die aufwendigen Blecharbeiten können fast endlos ausgeweitet werden, wenn sich im entscheidenden Moment herausstellen sollte, dass von der Karosse nicht mehr viel übrig ist und man das Fahrzeug mit viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung fast ganz neu aufbauen muss. Beim 911 T ist das nicht nötig. Das mag am Klima an der amerikanischen Westküste liegen oder am sorgsamen Umgang ehemaliger Besitzer mit dem Fahrzeug. Das Ergebnis des Entlackungsbads stellt der Rohkarosse jedenfalls ein gutes Zeugnis aus.

Das Entlackungsbad und die dazu nötige Vorbereitung haben deshalb eine besondere Bedeutung. Spezialisten öffnen im Vorfeld sämtliche Hohlräume in der Karosserie, um der Lauge freien Zugang bis in die allerletzten Winkel zu gewähren. Schließlich soll die Flüssigkeit alle von Korrosion betroffenen Stellen komplett freilegen. Ebenso wichtig sind die Befreiungsaktionen der Lauge an nachbehandelten Karosserieteilen. Es ist ja eher die Regel, dass Fahrzeuge im stolzen Autoalter jenseits der Dreißig schon mal die Bekanntschaft mit Spachtelmasse oder nachträglich verwendeten Kunststoffmatten gemacht haben. Auch wenn das gute Arbeit sein mag – das Ausbesserungsmaterial gehört da nicht hin. Die Lauge macht es weg. Und hinterher wird diese, wieder dank der geschaffenen Hohlräume, komplett ausgespült bzw. neutralisiert.

Was „bis in die allerletzten Winkel“ wirklich bedeutet, lässt sich beim 911 T anhand eines dünnen Metallrohres, das aus dem Heck des Wagens kommt, ganz gut erklären. Es zieht sich auf der Fahrerseite von hinten bis zum Türrahmen und ist nur zu sehen, weil auch die hinteren Seitenteile der Demontage zum Opfer fielen. Durch dieses Rohr läuft der Zug, mit der der Fahrer später von innen mit einem Hebel die Motorhaube öffnen kann. Auch dieses dünne Röhrchen ist vollständig gereinigt, innen wie außen, und in einem guten Zustand.

Einen Zeitplan für das Bad gibt es übrigens nicht. Experten prüfen immer wieder den Fortgang der Reinigung und entscheiden individuell, wie lange die Lauge noch zu arbeiten hat. Beim 911 T hat es nur einige Tage gedauert. Es können auch mal Wochen sein. Gründlichkeit hat Vorrang vor allem, zumal keine Zeitverluste in der Werkstatt von Porsche Classic entstehen. Denn während das Blech sein Bad nimmt, werden die neu benötigten Teile auf ihren An- und Einbau vorbereitet. Beim 911 T handelt es sich dabei um den kompletten Vorderwagen, den Batteriekasten, die Tankauflage und den Unterboden. Außerdem hat man sich nach dem Entlackungsbad entschieden, noch die Sitzmulde hinter dem Fahrer zu ersetzen.

Jetzt thront die Rohkarosse auf der Richtbank. Und dort wird sie noch lange bleiben. Zwar ist sie jetzt frei von allen noch so versteckten Mängeln, aber deshalb noch längst nicht fertig. Vielmehr fängt ihr Aufbau jetzt erst richtig an. Aber das muss noch warten. Im nächsten Schritt geht es um den Motor des 911 T. Den 140 PS des Sechs-Zylinder-Boxers soll wieder volle Kraft eingehaucht werden.

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